Sinn-Suche

Die Sache mit dem Sinn

Sucht man nach dem Lebenssinn im Internet, kommen viele Informationen zum Vorschein. Man kann den persönlichen Sinn des Lebens in 7, 5 und 3 Schritten finden oder nur in einem. Am besten, wir erhielten unseren Sinn in einem Drive-in – Hauptsache schnell, damit wir wieder etwas auf unserer „To Do-Liste“ mit „erledigt“ abhaken können – und dann?? Was dann? Neues Ziel… Der Sinn des Lebens wird nicht mit dem Verstand gefunden, sondern mit dem Herzen. Er wird nicht gedacht, sondern gefühlt.

Zum Thema Lebenssinn gibt es konkrete Anleitungen und aus meiner Wahrnehmung sinnentleerte Beiträge. An den Inhalten, Meinungen und Glaubenssätzen gemessen scheint es, liegt sehr viel Druck in diesem Thema und man bekommt das Gefühl, der Sinn des Lebens ist etwas Außergewöhnliches, Exorbitantes und schwer zu Erreichendes. Und was passiert, wenn man etwas nicht haben kann? Richtig, man möchte es noch viel mehr und unbedingt!

Viele Menschen wollen ihre eventuell verspürte Leere mit der Suche nach dem Lebenssinn füllen, doch nur wenige wissen genau, wie sie das anstellen. Daher möchte ich mit diesem Blogbeitrag an der Basis ansetzen. Denn wenn wir wissen, worum es eigentlich wirklich dabei geht, also Klarheit haben, dann wissen wir auch worauf wir unsere Energie richten.

Der Sinn des Lebens ist nicht, „einfach glücklich zu sein“, „Erfolg zu haben“ oder sich „um seine Familie zu kümmern“ oder „die Kinder erziehen“. Der persönliche Sinn ist konkret und einzigartig und er erschließt sich uns nicht über Nacht, sondern im Laufe unseres Lebens. Das bedeutet, dass wir uns auch noch im gefundenen Sinn unseres Lebens verändern und weiterentwickeln (sollen). Der Weg ist dabei also das Ziel!

Über allem steht das Wort „Wofür?“

Meistens beginnen wir mit der Sinnsuche in besonderen Situationen unseres Lebens. Im Leiden, bei Schicksalsschlägen, … in diesen Situationen wollen wir die Zusammenhänge des Lebens wissen und brauchen Orientierung für die nächsten Entscheidungen. Die Frage „Wofür ist das alles gut?“ steht im Raum.

Wir befinden uns in einem ständigen Prozess des Werdens und die Veränderung ist ein Grundprinzip unserer Existenz. Diese Tatsache stellt uns vor die entscheidende Frage: Was soll werden/entstehen in meinem Leben? Wofür bin ich auf dieser Welt?

Unser Leben besteht aus Zusammenhängen und Systemen; es ist ein Gefüge in das wir geboren werden und wo unser persönliches Handlungspotenzial gefragt ist. Es geht daher um unsere Aktion. Denn erst durch die Tat erschließe ich mir die Zukunft und darin geht meine Existenz auf. Weil ich mich einlasse auf diese Welt, verändere ich mich und bleibe doch ich selbst. Das ist der tiefere Sinn des Lebens. Das Wort „existere“ bedeutet heraustreten, hervortreten. Sich übersteigen und sich auf einer neuen Ebene – transformiert – wieder in Empfang nehmen, ist also Basis unserer Existenz.

Als Mensch stehen wir in Frage

Die meisten Menschen meinen, das Leben ist wie die Wunschliste an das Christkind. Wir wünschen uns Dinge und Menschen ins Leben und sind enttäuscht, wenn es nicht so eintritt, wie wir das herbeisehnten. Es scheint, als würden die Menschen Fragen ans Leben stellen und dieses hätte (möglichst ihren Erwartungen entsprechend) zu antworten. Die Wahrheit ist jedoch: es ist genau umgekehrt!

Zu leben bedeutet, auf die Fragen des Lebens eine Antwort zu geben. Jeder einzelne von uns hat sein Leben zu ver-antworten; Eigen-ver-antwortung zu übernehmen! Der Sinn jeder Frage hängt also von unserer Antwort ab.

Das Problem an der Sache ist, wenn wir die Frage nicht verstanden haben, ist auch keine Antwort sinnvoll. Wenn wir nicht verstehen, was genau uns das Leben befragt, entstehen in uns Sinn-losigkeitsgefühle und auch Leere. Das bedeutet, wir brauchen Klarheit darüber, wer wir sind und wie wir leben wollen – dies gilt es Schritt für Schritt herauszufinden.

Stimmig sein

So lange wir das „Gefragtsein“ nicht annehmen oder an uns heranlassen, sondern nur unsere eigenen Forderungen, Pläne oder Wünsche vor die gestellten Fragen des Lebens stellen, fliehen wir vor der eigenen Wirklichkeit und sind (noch) nicht auf dieser Welt angekommen. Solange wir nicht achtsam sind und wahrnehmen, was in unserem Leben schon alles passiert ist und rund um uns Tag für Tag geschieht, können wir auch den Zusammenhang nicht erkennen und die an uns gestellten Fragen beantworten.

Wenn wir innerlich ausgeklinkt leben, mit einer gewissen inneren Kündigung handeln, ohne jegliches Engagement und oberflächlich, also wie provisorisch leben, passiert deshalb, weil wir unseren Sinn nicht kennen, bzw. verloren haben. Mit dieser Art zu leben verhindern wir unsere persönliche Sinnfindung. Alles, wo wir uns nur gezwungen fühlen zu tun, alles was wir ehrlicherweise unfreiwillig machen, ist Sinn-los. Nur dann, wenn ich mich freiwillig zu etwas entscheide, ist ein Sinn im Spiel.

Wir brauchen also eine Stimmigkeit in uns selbst und mit der Welt. Das setzt voraus, dass wir offen sind für alles, was kommt. Es erfordert viel Mut, sich auf etwas einzulassen, das wir nicht planen können und gleichzeitig auch eine gewisse Demut dem Leben gegenüber. Demut, dass wir bereit sind, jeden Weg auf uns zu nehmen, zu dem uns das Leben führt – ganz gleich ob er unseren geschmiedeten Plänen entspricht oder nicht. Darin liegt einzig und allein die Chance, unseren Zweck der Existenz zu finden. Denn wir haben bei unserer Geburt individuell ein Geschenk des Lebens erhalten – unsere Talente. Ja, wir alle haben Talente erhalten, mit welchen wir einen Lebenssinn finden, der uns anspricht, uns ergreift und berührt, und dessen Wert auf uns eine unsagbare Wirkung hat. Auf unsere Talente können wir uns verlassen und wir sind angehalten, diese zu erkennen und mit den Bedürfnissen der Welt in Einklang zu bringen und einzusetzen. Das ist der Sinn unseres Lebens!

Also, komm in den flow – Panta rhei!

Deine Susanne

 

Text: Susanne Hummer, Bild: iStock

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