Wert-voll leben

Jeder definiert im Laufe seines Lebens Werte – sie werden einerseits von den Eltern übernommen und andererseits selbst entwickelt aufgrund der persönlichen Stellungnahme zum eigenen Leben bzw. aus Erfahrung, Bedürfnisse und Lust. Werte sind die Zustimmung zum Leben; das Leben wird durch meine Werte erfahrbar. Die Entstehung der Werte, also die Geschichte dahinter, ist wichtig um mich selbst zu verstehen.

Bei Werten geht es auch um ein Miteinander. Ich muss beides sehen – meine persönlichen Werte und die Werte der Welt – nur dann kann ich im Einklang schwingen.

Doch wo ein Wert ist, ist aber auch eine Angst dabei – die Angst, dass dieser Wert verletzt werden kann. Wie oft passiert es uns im Leben, dass wir verletzt werden? PartnerIn, ChefIn, FreundIn, NachbarIn, KollegIn, Familienmitglieder – alle verletzen uns auf die eine oder andere Art in einem Wert. Mein Selbstwert leidet als Folge etwas darunter, aber nicht jeder nimmt es wahr oder versucht es zu verdrängen. So passiert es, dass ich unsicher werde und mich ein Stück selbst verliere und nicht mehr ich selbst bin. Dies äußert sich in der Form, dass ich mich zu Taten und Worten hinreißen lasse, die nicht wirklich mir entsprechen und ich vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt bereue. Ich lasse eventuell auch unkontrolliert meinen Emotionen freien Lauf – kurz gesagt: ich bin wie außer mir. An diesem Punkt habe ich nun die Wahl: ich kann weiterhin unbewusst reagieren oder ich entscheide mich für eine bewusstere und reflektierte Herangehensweise bei Verletzung.

Persönliche Entwicklung bedeutet, sich seiner Verhaltensmuster bewusst zu sein und sich für den neuen, heilsamen Prozess zu entscheiden. Wenn ich weiß, dass ich stets eine Wahl habe, also frei bin zu entscheiden, was ich mir (Gutes) tue, dann fühle ich mich auch frei. Und wenn ich dann noch jede weitere Verletzung als Chance betrachten kann für persönliches Wachstum, anstelle eines Angriffs auf meinen Selbstwert, verändert sich mein Handlungsspielraum enorm. Ich komme vom Zustand der Ohnmacht in einen Zustand der Macht über mich selbst und meine Emotionen. Und das fühlt sich wunderbar an.

Ich kann jedesmal, wenn ich verletzt werde, diesen verletzten Wert überprüfen, ob er wirklich zu meinem Leben passt, so wie ich es mir vorstelle, oder ob es ein ungeprüfter, übernommener Wert ist, der mich stets in dieselbe Enttäuschung führt. Wo Unklarheit ist, ist immer der Verstand im Spiel. Erst wenn wir Klarheit (über uns selbst) haben, kommen wir ins Gefühl und mit dem Fühlen finden wir unsere wahren Werte.

Wenn ich meine Werte nicht aktualisiere, kann ich in eine Wertestarrheit gelangen. Das bedeutet, dass ich mir selbst im Weg stehe mit meinen Werten und mich in Folge dessen auch von ihnen tyrannisieren lasse. Und eins ist klar: Ich muss mir von mir selbst nicht alles gefallen lassen ;-)

Ausstehender emotionaler Schmerz verhärtet uns. Das ist wie bei unserer Muskulatur: wenn ich Verspannungen nicht löse, dann werden sie zu Verhärtungen und schmälern unsere Lebensqualität. Wenn ich bereit bin, mich einer Massage zu unterziehen, die meine wunden Punkte drückt dann lösen sich Verspannungen wieder. Im ersten Moment tut das zwar höllisch weh, aber es kommt der Punkt, wo es leichter wird und und ich mich wieder wohl fühle.

Durchgemachtes Leid vertieft uns – es gibt unserem Leben mehr Tiefe. Je mehr wir den Mut haben, in die Tiefe unseres Lebens einzutauchen, desto näher sind wir unserem persönlichen Lebensfluss.

Panta rhei!

Deine Susanne

 

Text: Susanne Hummer, Bild: iStock

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