Sicherheit führt mit Sicherheit zu Leid

Das einzig Konstante im Leben ist die Veränderung – diese Lebensweisheit ist rational betrachtet vielen von uns glasklar. Doch wenn es darum geht, Veränderung zu (durch)leben, sieht es bereits ganz anders aus. Tritt eine Situation in unser Leben, die uns zwingt, Dinge anders zu tun oder unsere Haltung zu ändern, werden wir ganz unrund, verfallen kurzfristig in einen Abwehrmechanismus oder auch in eine Starre. Veränderung fühlt sich im ersten Moment nicht angenehm an, denn sie wirft uns aus unserer gewohnten Bahn. Doch warum ist das so?

Lebensvereinfachung bedeutet Sicherheit

Unser menschliches Basisprogramm seit Anbeginn unserer Existenz ist es, Dinge einfach zu machen. So bleibt uns mehr Energie für entweder schlechte Zeiten oder aber für plötzlich benötigte Energie im Falle von Angriff, Jagd,… jene Situationen, wo unser Sicherheitsgefühl mächtig gestört wurde. Sicherheit ist bis heute das ultimative Wohlgefühl, das mit wenig Aufwand erreicht werden will.

Aufgrund dieser Programmierung werden viele Körperfunktionen oder Reaktionen in automatische Bahnen gelenkt um Gehirnleistung zu sparen. So entstehen auch unsere Verhaltensmuster: unbewusste Handlungen für Routinesituationen.

Unser Drang, Sicherheit möglichst einfach und in großem Maß herzustellen, führt uns in die immer schnellere technische Weiterentwicklung. Auch die materielle Anhäufung ist ein Streben nach Sicherheit. Schließlich bedeutete mehr Material mehr Sicherheit vor Feinden, Hunger,… Etwas zu besitzen bedeuet auch, Kontrolle über dieses zu haben. Und doch werden wir immer wieder in zahlreichen Situationen erinnert, dass wir sicher keine Kontrolle über unser Dasein haben und wir uns hier gedanklich in einer Illusion befinden.

Verdrängung drängt uns aus unserem Leben

Bei all den Lebensvereinfachungen, die wir uns im Laufe der Zeit geschaffen haben, ist uns die Wechselwirkung, die diese Innovationen mit sich gebracht haben, aber entgangen. Denn das Paradoxe ist, dass unser Alltag immer komplizierter wird eben durch die anghäuften Produkt-Untertanen zur Vereinfachung. Wir müssen nämlich diese auch kognitiv verarbeiten – und das hat eine Konsequenz: Verdrängung. Themen und Dinge, die nicht unmittelbar präsent sind, werden verdrängt – solange, bis sie direkt vor uns stehen. So kommt es, dass wir auf kleine Situationen, in die uns das Leben bringt um daraus zu lernen, erstmals mit Verdrängung reagieren.

Wir ignorieren das immer wiederkehrende Thema so lange, bis es uns fast erschlägt. Dann bleibt uns gar nichts anderes übrig, als es zu bewältigen. Doch was machen wir? Wir beschweren uns vorerst einmal, dass uns so etwas passiert. Die unzähligen Warnsignale, die vorangegangen sind, wir jedoch aus unserem Muster heraus verdrängt haben, wollen wir dabei nicht annehmen. Wenn wir dann diese Situation außerhalb unser gewohnten Bahnen endlich unter Kontrolle gebracht haben, sind wir erleichtert, wieder in unsere bequeme Komfortzone zurückzukehren, um unser gewohntes „Energiesparprogramm“ fortzusetzen.

Der Schatten der Komfortzone

Was sich so sicher, vertraut und geborgen anfühlt hat auch eine Schattenseite, denn Sicherheitsdenken fordert seinen Tribut: Wachstum. In der Komfortzone gibt es kein persönliches Wachstum. Doch gerade das bedeutet „leben“. Unser Leben ist so konzipiert, dass wir stetig mit den alltäglichen Situationen des Lebens wachsen dürfen (wenn wir sie nicht verdrängen). In der Veränderung finden wir unsere Gaben, die wir mitbekommen haben, um sie im richtigen Moment zu entfalten. Wenn wir aber gefangen sind in unserem Sicherheitsdenken, dann beschneiden wir uns selbst. Wir beschneiden uns im Ausleben unserer vielen Talente, die wir bekommen haben, um sie in die Welt zu bringen und wir beschneiden uns auch in unserem Selbstwert. Denn dauerndes Verbleiben in der Komfortzone geht zu Lasten unseres Selbstwertes weil wir nicht mehr gefordert sind.

Lieber irren wir in unserer Komfortzone einher und amputieren uns dabei quasi ein Bein, als sie zu verlassen und auszuhalten, einmal nicht Kontrolle über alles zu haben (was ohnehin nicht möglich ist, wir glauben es nur).

Doch gerade außerhalb unserer Komfortzone beginnt das wahre Leben. Da fühlen wir uns lebendig, weil wir uns aufgrund der Energie, die wir mehr benötigen, mehr spüren. Wir spüren unser Leben und erkennen, was alles in uns steckt. Mit diesem Gefühl steigt unser Selbstwert, wir werden neugierig, erfinderisch und kreativ, wir lassen uns auf Dinge ein, ohne dauernd eine Risikoanalyse vorher zu machen. Wir kommen drauf, dass das Leben auch leicht sein darf und spielerisch. In dieser Zone sind wir nicht mehr Opfer unseres selbstgesteuerten Sicherheitsdenkens, sondern schaffen uns aktiv wahre Begeisterung und Lebensfreude. Das einzige, was wir für diesen Schritt brauchen, ist Mut!

Wer wagt, gewinnt

Mut hast du dann, wenn du Vertrauen in dich und deine Fähigkeiten hast. Solltest du an diesem Punkt stecken bleiben, weil du nicht weißt, ob du dir und deinen Fähigkeiten zu 100% vertrauen kannst, dann beginn doch einmal, dich mit dir selbst zu beschäftigen. Hinterfrage dich in deinem Tun und Sein. Du hast bereits alles in dir, um alle Situationen zu bewältigen, die dir Mut abverlangen. Du musst nur bereit sein, es zu wagen und die Angst vor dem Ungewissen zu besiegen. Vertraue darauf, dass es etwas gibt, das dich trägt und beschützt, sogar bis über den Tod hinaus!

Löse dich aus der Beziehung, in der du ohnehin nur mehr provisorisch lebst –  auch wenn du dir noch nicht vorstellen kannst, wie es danach sein wird. Wage den Schritt und baue dir im Ausland eine Existenz auf, wenn es dein innerster Wunsch ist, das zu tun. Kündige den Job, über den du dich ohnehin nur beschwerst und finde heraus, welche deine wahre Berufung ist. Mach das, wonach dein Herz sich sehnt und unterdrücke es nicht länger, nur weil dein Verstand wie gewohnt nach Sicherheit verlangt. Das bist nicht du, das ist nur dein Muster.

Aus der Komfortzone heraus- und in die Wachstumszone einzutreten erweitert deine Grenzen. Dieser Schritt bereichert dein Leben, weil durch die Ausdehnung mehr des Lebenswerten eindringen darf und dich in eine andere Ebene des Seins bringt. Du wirst es nicht bereuen. Und brauchst du Hilfe zu dem einen oder anderen Schritt, dann bin ich gerne für dich da.

Denk dran: das Leben ist ein Fluss!

Panta rhei

Deine Susanne

 

Text: Susanne Hummer, Bild: iStock

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